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STADTRUNDGANG

Die neue und aktualisierte Dokumentation „Nie wieder - Stadtrundgang auf den Spuren des Dritten Reiches in Karlsruhe“ soll die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und an seine zahlreichen Opfer wach halten (1). Die Internet-Seite enthält Informationen über die Geschichte Karlsruhes in der Zeit zwischen 1933 und 1945 und richtet sich insbesondere an Jugendliche, aber auch an Erwachsene.

Die Informationen sind einzelnen Stationen zugeordnet, so dass es möglich wird, selbständig Stadtrundgänge zu planen. Zu jeder Station sind pdf-Dateien verfügbar, die ausgedruckt und zur jeweiligen Station mitgenommen werden können.

Das Projekt ist nicht abgeschlossen, sondern offen für jede Form von Mitwirkung und Ergänzungen. Wir möchten ausdrücklich dazu ermuntern, in Projektarbeit oder im Rahmen des Schulunterrichts weitere Kapitel zu gestalten und mit Inhalt zu füllen.

DAMALS

Marktplatz Karlsruhe

Unsere Urgroßeltern oder Großeltern erlebten die Zeit des Nationalsozialismus als Erwachsene, als eigenständige, aktiv handelnde Personen.

Doch es ist schwierig zu erfahren, warum es in der deutschen Bevölkerung ein so großes Einverständnis mit der Ideologie der Nazis gegeben, und warum nach 1945 so wenig Auseinandersetzung mit den einschneidenden Geschehnissen der NS-Zeit stattgefunden hat.

Der in der Menschheitsgeschichte einzigartige Zivilisationsbruch des Holocaust, die schweren Verletzungen der Menschenrechte, die Brutalität der Angriffskriege - was in den zwölf Jahren der Nazi-Herrschaft in Europa geschah, kann nicht als abgeschlossen oder gar „aufgearbeitet“ bezeichnet werden. Dazu kommt, dass die meisten Deutschen, die in irgendeiner Form an den nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt waren, nach 1945 ohne Strafe geblieben sind.

Diese Ereignisse der Vergangenheit wirken sich auf die Gegenwart aus - auf die Entwicklung einer ganzen Gesellschaft ebenso wie auf persönliche Lebensläufe.

HEUTE

Wir hoffen, dass während der Arbeit am „Stadtrundgang auf den Spuren des Nationalsozialismus in Karlsruhe“ eine Zusammenarbeit mit Jugendlichen entsteht, mit deren Unterstützung diese Internet-Seite wachsen kann. Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus soll durch die aktive Beteiligung junger Menschen wach gehalten und Aufklärung über die damalige Zeit geleistet werden - gerade in einer Zeit, in der immer weniger Zeuginnen und Zeugen der Zeit selbst über die Ereignisse berichten können.

Auch heute gibt es rechtsextreme Strömungen. Sie wahrzunehmen und ihnen etwas entgegen zu setzen, dazu soll dieses Projekt beitragen. Geplant sind für die Zukunft unter anderem Themen-Seiten, die auch über aktuelle Ereignisse im Raum Karlsruhe informieren sollen.

"Ich fürchte, durch Maßnahmen auch einer noch so weit gespannten Erziehung wird es sich kaum verhindern lassen, dass Schreibtischmörder nachwachsen. Aber dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte, das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst entwürdigen; dass es weiter Bogers und Kaduks (2) gebe, dagegen lässt sich doch durch Erziehung und Aufklärung ein Weniges unternehmen." (3)

ZEITZEUGENSCHAFT

Paul Niedermann als Jugendlicher

Paul Niedermann, der 1927 in Karlsruhe geboren und 1940 mit seiner Familie nach Gurs deportiert wurde, gab dem Stadtjugendausschuss e.V. im Januar 2007 ein eineinhalbstündiges Interview. Das komplette Interview ist als Videofilm auf DVD im Stadtarchiv und im Landesmedienzentrum in der Moltkestraße ausleihbar. Sehen Sie hier ein Video von Paul Niedermann zum Thema Zeitzeugenschaft.

 

(1) Erstveröffentlichung der gedruckten Version durch den Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe 1984

(2) Wilhelm Boger und Oswald Kaduk wurden im Auschwitz-Prozess verurteilt. Sie stammten aus einfachen, kleinbürgerlichen Verhältnissen. Beide waren Freiwillige der Waffen-SS und gehörten zum Lagerpersonal von Auschwitz.

(3) Adorno, Theodor W.: Erziehung nach Auschwitz. Rundfunkvortrag, Schlusswort, 1966

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