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STATION - Technische Hochschule, Kaiserstraße

An den Hochschulen und Universitäten wurde von den Nationalsozialisten die ‚politische Säuberung’ in aller Härte durchgeführt, „da hier noch weniger als an den anderen Stellen eine Durchbrechung der nationalsozialistischen Grundprinzipien zuzulassen“ sei, so Professor Kluge, der damalige Rektor der Karlsruher Hochschule, im Oktober 1933. Bereits 1933 und 1934 wurden in Karlsruhe zwei Studenten in Schutzhaft genommen und von der Hochschule verwiesen.

 
Technische Hochschule ca. 1935

Ab 1935 wurden aufgrund des neuen ‚Reichsbürgergesetzes’, das Teil der Nürnberger Gesetze war, alle jüdischen Studierenden von den Hochschulen entlassen. Durch das Reichsbürgergesetz wurden Jüdinnen und Juden zu Staatsangehörigen minderen Rechts erklärt und von der Beteiligung an Reichstagswahlen ausgeschlossen. In der Folge ergingen mehrere ‚Verordnungen zum Reichsbürgergesetz’, durch welche die jüdische Minderheit weiter ausgegrenzt und entrechtet wurde. Durch diese Verordnungen wurde unter anderem die Entlassung der letzten noch tätigen jüdischen Beamten und Notare angeordnet und die Unterbindung der Berufstätigkeit von jüdischen Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern, Rechtsanwälten und Patentanwälten durchgesetzt.

 
Technische Hochschule heute

An der Technischen Hochschule in Karlsruhe wurden 15 Hochschullehrer und Wissenschaftler entlassen. Unter den von den Entlassungen und Berufsverboten betroffenen Dozenten der Technischen Hochschule in Karlsruhe waren die Chemiker Paul Askenasy, Stefan Goldschmidt und Albert Wassermann, der Mathematiker Samson Breuer, der 1933 nach Palästina emigrierte und der Volkswirtschaftler Nathan Stein, der 1937 in die USA ging. (1)

Auch der nichtjüdische Physikprofessor Wolfgang Gaede verlor seine Stellung aufgrund der Denunziation durch einen Assistenten, der behauptete, dass Gaede sich negativ über das ‚arische Prinzip’ geäußert habe. Dass Gaede Mitglied des antinazistischen republikanischen Akademikerbundes war, war ein weiterer Grund, ihn zu entlassen. (2) Insgesamt waren etwa 15% aller Hochschullehrer in Deutschland von den Entlassungen betroffen. Nicht weniger als 20 Nobelpreisträger, darunter Albert Einstein, Erwin Schrödinger und Max Born, wurden in die Emigration getrieben.

Auf der Internetseite ‚Wissenschaft im Dialog’ findet sich folgender Abschnitt: (3)
„Rund 200 000 Juden leben heute wieder in der Bundesrepublik. Die meisten von ihnen kamen seit 1989 nach Deutschland. Schwer hingegen taten sich Juden und Deutsche in der Nachkriegszeit mit der Rückkehr. So wurden in ihrer Mehrzahl auch renommierte Forscher nach 1945 nicht gebeten, auf ihre Stellen an den Instituten zurückzukehren, die sie während der NS-Diktatur verlassen mussten.

Im Gegenteil: Vorschläge zur Remigration wurden oft brüsk abgewiesen – insbesondere von jenen Wissenschaftlern, die vor und nach 1945 gleichermaßen gut im akademischen Geschäft waren. Das zeigen Untersuchungen von Historikern. Einzelne jüdische Forscher waren über diese Ignoranz bitter enttäuscht, andere hatten ohnehin kein Interesse an einer Rückkehr.

Ausfindig gemacht wurden die emigrierten Forscher von ihren früheren Kollegen an den deutschen Universitäten aber sehr wohl, denn mit einem Mal waren Kontakte zu ihnen nützlich: Manche wandten sich mit Bitten um Care-Pakete an die Juden, andere erhofften sich von ihnen „Persilscheine“ für die Entnazifizierungsverfahren. So fragte Anfang 1947 der jüdische Physik-Nobelpreisträger James Franck seine Kollegin Lise Meitner, die wie er aus Nazi-Deutschland geflüchtet war: „Bekommst du auch aus Deutschland eine Unzahl von Briefen von Leuten, die man nicht kennt, denen ich aber bestätigen soll, dass sie immer anständig waren, obgleich ich gar nichts von ihnen weiß?“

 

(1) Krause-Schmitt, Ursula; Ngo, Marianne; Schlör, Joachim (Hg.): Heimatgeschichtliche Wegweiser zu den Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 5/1: Baden-Württemberg. Frankfurt a.M. 2001, S.46.
(2) Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Reihe: Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 9. Karlsruhe 1988, S. 51f
(3) http://www.wissenschaft-im-dialog.de/sg.php4?ID=196 [10.11.2007]

Bildnachweis: Stadtarchiv Karlsruhe

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