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STATION - Synagoge in der Kronenstraße 15

Die ehemalige liberale Synagoge mit Altenheim und jüdischem Krankenhaus war 1806 eingeweiht worden. Sie war nach Plänen Weinbrenners erbaut und bewusst im orientalischen Stil gehalten. 1871 brannte sie nieder.
1875 wurde die neue Synagoge fertig gestellt. Sie war aus weißem Sandstein im neohistorischen Stil der Kaiserzeit erbaut. Der Eingang befand sich zwischen der Mauer, an der heute die Gedenktafel zur Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1938 angebracht ist, und dem Eingang zum heutigen Haus der Familie (von der Straßenfront etwas zurückgesetzt).

 
Synagoge in der Kronenstraße

Am 9. November 1938 fand in Deutschland und Österreich die sogenannte „Reichskristallnacht“ statt: Staatlich organisierte Ausschreitungen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger und gegen jüdische Einrichtungen. Geschäfte, Wohnungen und Synagogen wurden unter Beteiligung von Teilen der deutschen Bevölkerung zerstört und verwüstet. Dabei wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Tod getrieben.

Obwohl SA-Leute während der Pogromnacht in Karlsruhe laut Aussagen eines an den Löscharbeiten beteiligten Feuerwehrmannes zahlreiche Brandnester in der Synagoge in der Kronenstraße gelegt hatten, konnte diese wegen ihrer massiven Bauweise nicht richtig in Brand geraten. Wie der Feuerwehrmann weiter berichtet, befand sich hinter dem Gebäude ein Benzinlager, so dass ein Großfeuer vermieden werden musste, weil kein Besitz nichtjüdischer Stadtbewohner gefährdet werden durfte und eine Explosion verheerende Folgen für die Umgebung gehabt hätte. (1) Obwohl die Synagoge kaum beschädigt war und durchaus weiterhin in vollem Umfang hätte genutzt werden können, wurde der Abbruch wegen angeblicher Baufälligkeit angeordnet. Die Kosten dafür von insgesamt fast 27.000 RM (Reichsmark) für beide Synagogen hatte die jüdische Gemeinde zu tragen. Die abgetragenen Steine wurden zum Straßenbau in der Friedrichstaler Allee verwendet. (2)

 
Gedenktafeln Synagoge Kronenstraße

400-500 in der Nacht vom 9. auf den 10. November verhaftete männliche jüdische Karlsruher wurden in der darauf folgenden Nacht in das Konzentrationslager Dachau gebracht. (3)

Viele der Männer kehrten einige Wochen später aus Dachau nach Karlsruhe zurück, körperlich und psychisch gezeichnet. Sie mussten sich beim Geheimen Staatspolizeiamt Karlsruhe in der damaligen Reichsstr. 26 (heute Ebertstr.) zurückmelden. Einer der Verhafteten war Ernst Michel, der nach fast dreimonatigem Aufenthalt in Dachau im Dezember 1938 nach Karlsruhe zurück kam. Er wurde später in weitere Lager, unter anderen nach Gurs und in das Vernichtungslager Auschwitz, deportiert. Als einer der wenigen Überlebenden kehrte er nach Karlsruhe zurück. (4)

 

(1) Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Reihe: Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 9. Karlsruhe 1988, S. 184.
(2) Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) (Hg.): Sie hatten noch die Frechheit zu weinen. Materialien zum Thema Judenverfolgung im Dritten Reich. Ludwigsburg 1979, S. 74.
(3) Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Reihe: Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 9. Karlsruhe 1988, S. 199 f.
(4) Ebd. S. 205 und StadtAK 8/StS 17/104, Interview mit Ernst Michel vom 30. November 1983.

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