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STATION - Ludwig Marum, Ludwig-Marum-Straße

Die Straße wurde nach einem sozialdemokratischen Karlsruher Rechtsanwalt benannt, der aus einer jüdischen Familie stammte. Bei der Reichstagswahl 1928 wurde das SPD-Mitglied als Abgeordneter für Karlsruhe gewählt. Unter Bruch seiner parlamentarischen Immunität wurde er einige Tage nach der Reichstagswahl 1933, am 10. März, auf unbestimmte Zeit in sogenannte „Schutzhaft“ genommen.

 
Ludwig Marum

Am 16. Mai wurden Marum, der frühere Abgeordnete Adam Remmele und fünf weitere führende badische Sozialdemokraten auf einer Schaufahrt durch Karlsruhe vom Gefängnis in der Riefstahlstraße in das neu eingerichtete KZ in Kislau bei Bruchsal gebracht. „Dabei wurden sie unter entwürdigenden Umständen in einer vorbereiteten Aktion auf offenem Lastwagen durch die Stadt Karlsruhe gefahren, vorbei an pöbelnden SA-Horden und tausenden Karlsruher Bürgern. Nur Vereinzelte protestierten mit dem Ruf „Rotfront“ und wurden dafür sofort verhaftet.“ (1)

Während die zusammen mit ihm festgenommen SPD-Politiker bereits wieder freigekommen waren, war Marum auf Veranlassung Robert Wagners weiterhin festgehalten worden. Am 29. März 1934 wurde Ludwig Marum von dem stellvertretenden Lagerkommandanten Karl Sauer, einem ehemaligen kaufmännischen Angestellten und nunmehrigen Gestapoangehörigen, von Eugen Müller, SS-Oberscharführer und Duzfreund Wagners, sowie von dem Kraftfahrer Paul Heupel, langjährig arbeitslos und Ende 1932 in die SA eingetreten, im Auftrag von Wagner mit einer Paketschnur erdrosselt und am Fensterkreuz aufgehängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen.

 
Ludwig-Marum-Straße

Obwohl Ort und Zeitpunkt der Beerdigung auf Geheiß der Gestapo nicht veröffentlicht werden durften, kamen über 3000 Personen zum Hauptfriedhof in Karlsruhe, um der Trauerfeier beizuwohnen. (2)

Marums Familie flüchtete noch im April 1934 nach Frankreich.

Ludwig Marum schrieb in einem Brief an seine Frau im April 1933 aus dem Gefängnis in der Riefstahlstraße: „Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz.“ (3)

Im Rahmen des Projektes 'Stolpersteine' wurden am 9. August 2006 zwei Gedenksteine für Ludwig Marum und seine Tochter Eva Brigitte Marum vor dem Haus Wendtstraße 3 gesetzt.

 

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Marum [10.11.2007]
(2) http://rechtshistorisches-museum.de/rhms.htm [10.08.2007]
(3) Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Reihe: Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 9. Karlsruhe 1988, S. 41.

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