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STATION - Jüdische Schule, Markgrafenstraße

Bereits zehn Tage nach Erlass der „Nürnberger Gesetze“, die die juristische Basis für Diskriminierung und Verfolgung bildeten, ordnete Reichserziehungsminister Rust eine Erhebung über die „Rassenzugehörigkeit“ an, um zum neuen Schuljahr Ostern 1936 so genannte „Judenschulen“ einzurichten.

 
Lidellschule heute

In Karlsruhe hatte bereits am 30. August 1935 der Leiter des Stadtschulamtes gegenüber seinem badischen Minister die Absicht ausgedrückt, Juden in „Sonderklassen“ zu erfassen. Der Reichserziehungsminister: „Kinder jüdischer Abstammung bilden für die Einheitlichkeit der Klassengemeinschaft und die ungestörte Durchführung der nationalsozialistischen Jugenderziehung auf den allgemeinen öffentlichen Schulen ein starkes Hindernis.“ (1) Schon im Oktober sollten sie in einem eigenen Schulgebäude unterrichtet werden. Die jüdische Gemeinde sollte das der Heilsarmee gehörende Haus in der Adlerstr. 33 kaufen. Ein großer Teil der Anwohner protestierte bei den Behörden energisch dagegen, „…da die Straße viel an Ansehen verlieren würde“. (2)

Die jüdischen Verbände drängten selbst auf die Einrichtung einer jüdischen Schule, um die Kinder vor der immer stärkeren Diskriminierung und Verfolgung zu schützen. So wurden dann ab September 1936 für die Volksschüler einige Räume in der Lidellschule in der Markgrafenstraße eingerichtet. Dort befand sich eine Sonderschule, in der einige Räume leer standen.

 
Gedenktafel an der Lidellschule

Bei der Eröffnung am 9. September 1936 betrug die Schülerzahl 212 Kinder mit 3 Lehrkräften, die von der jüdischen Gemeinde bezahlt wurden. Diese waren: Josef Hausmann, ehemals Mathematiklehrer am Markgrafen-Gymnasium, Cäcilie Schweizer, ehemals Lehrerin am Fichte-Gymnasium und Prof. Dr. Ludwig Marx. Die jüdische Schule hatte hervorragende Lehrkräfte und konnte auf eine große Anzahl 1933 entlassener Lehrer und Professoren zurückgreifen. So konnten schnell die durch Auswanderung freigewordenen Stellen besetzt werden. Ein Schwerpunkt in den Fächern lag neben der jüdischen Religion die Sprachen Hebräisch und Englisch, um den jungen Menschen später eine Auswanderung zu erleichtern. Am 11. November 1938, nach der Reichspogromnacht, mussten auch die Oberschüler die deutschen Schulen verlassen.

Aufgrund des Erlasses vom 17. Dezember 1938, in dem der Reichserziehungsminister allein schon das Betreten der Schulgebäude für Juden verbot, zog die jüdische Schule in das Gebäude der jüdischen Gemeinde in der Kronenstraße 15 um. Aber auch dort konnte nur für kurze Zeit Unterricht erteilt werden – durch den Abriss der Synagoge musste die jüdische Schule in einen Raum in der Herrenstraße 14 umziehen. Im Juni 1939 waren gerade noch 90 Kinder in der jüdischen Schule. Durch Auswanderung und durch die Kindertransporte jüdischer Organisationen nach England schrumpfte die Zahl ständig.

Die Massendeportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Karlsruhes, einschließlich der Schulkinder und Lehrer, am 22. Oktober 1940 in das Lager Gurs in Frankreich ließ die Schule überflüssig werden.

 

(1) GLA 235/42914
(2) Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Reihe: Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 9. Karlsruhe 1988, S. 116 ff.

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