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STATION - Hauptfriedhof

Am 3. April 1934 wurde der im KZ Kislau ermordete Karlsruher Rechtsanwalt Ludwig Marum mit großer Anteilnahme auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

 
Gedenkstätte im Haupftfriedhof Karlsruhe

Hier befindet sich heute die Gedenkstätte für 289 Opfer des Dritten Reiches, darunter auch für die Euthanasieopfer. Menschen, die man nach den damaligen Maßstäben als „erbkrank“ einstufte, mussten von Kliniken und Anstalten gemeldet werden. Sie wurden dann planmäßig eingesammelt und getötet – häufig vergast. Darunter befanden sich viele Kinder. In Süddeutschland wurden die Opfer vor allem nach Grafeneck in Württemberg und nach Hadamar in Hessen transportiert.

Inschriften des Gedenksteines: „Du sollst nicht töten. 1933-1945“ und „Hier ruhen 289 Opfer des Unrechts.“

 

Die Zeitzeugin L.M., geb. 1907, wegen Überarbeitung erkrankt, berichtete:
„…Dann sind die Sterilisationsgesetze herausgekommen. Weil ich Patientin bei einem jüdischen Arzt war, musste ich sofort zu einem Vertrauensarzt, dieser war Nervenarzt. Ich dachte, der könne mir helfen. Er hat mich nach Heidelberg in die Psychiatrie überwiesen… In Heidelberg in der Klinik wurde man derart entwürdigend behandelt, man war von vorneherein blöd, wahnsinnig oder schizophren. Alle persönlichen Sachen wurden mir weggenommen, sogar meine Wäsche, damit ich sie nicht wechseln konnte… Am ersten Tag mussten wir wie Kinder auf dem Hof Ringelreihen tanzen. Ich wollte nicht. Eine Schwester erklärte mir, dass die Ärzte das verlangten, und dass man einen roten Strich bekäme, wenn man sich weigere… Es war fürchterlich. Die haben junge Mädchen und Frauen, die wegen Überarbeitung oder ähnlichem vorübergehend an Depressionen litten, kurzerhand in die Psychiatrie eingewiesen, um sie dann sterilisieren zu können.“ (1)

Aus einem Schulbuch:
„Ein Erbkranker kostet dem Reich durchschnittlich täglich 2 1/4 Reichsmark, ein Volksschüler wöchentlich 2 3/10 Mark, ein Mittelschüler monatlich 12 Mark. Wievielmal soviel Kosten verursacht der Erbkranke gegenüber dem Volksschüler? Gegenüber dem Mittelschüler?“ (2)

Im jüdischen Teil des Hauptfriedhofs befindet sich auch eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeitenden aus der ehemaligen Sowjetunion, die nach Karlsruhe verschleppt worden waren.

 

(1) Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) (Hg.): Erlebte Geschichte. Frauen berichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Karlsruhe 1983, S. 73 f.
(2)
Reuter-Rautermann, Anne; Simons, Katrin; Westermann, Ekkehard: Karlsruher Kinder im „Dritten Reich“. Karlsruhe 1983, S. 63

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