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STATION - Gestapo-Hauptstelle, Ebertstraße 26

Zur Gestapo-Hauptstelle in der früheren Reichsstraße 26 wurden Verdächtige zu Verhören gebracht. Außerdem wurden diejenigen hierher bestellt, die der Meldepflicht unterlagen.

 
Ehemalige Gestapo Hauptstelle, in der heutigen Ebertstraße

Johanna Bratzel, geb. 1917, berichtet über ihre Erlebnisse auf der Gestapo-Hauptstelle: „Ich habe selber auch sehr viel mitmachen müssen. Ich werde nie vergessen, wie man mich eines Morgens um halb neun von meiner Arbeitsstelle bei der Firma Reithaus Lubeca-Werke mit der Gestapo abgeholt hat. Die befand sich damals in der heutigen Ebertstraße, früher Reichsstraße, direkt am Barbarossaplatz gelegen. Dort wurde ich abends um fünf Uhr vernommen. Das geschah aufgrund der Parteizugehörigkeit zur SPD bzw. des Verdachtes der Parteizugehörigkeit. Außerdem wollten sie die Namen der jüdischen Hausbewohner wissen. Die Gestapo wusste über mich eigentlich alles, aber ich habe alles abgestritten und gesagt, dass ich zu jung wäre und von nichts etwas wüsste. Ich hatte Angst, dass es mir vielleicht auch ergangen wäre wie vielen anderen, und man hätte mich ins KZ gesteckt. Da ich den Sohn hatte, habe ich mich daraufhin politisch überhaupt nicht mehr betätigt bis 1945/46.

Natürlich habe ich dann meine Bekanntschaften alle fallen lassen, weil ich Angst gehabt habe, dass man mir mal an den Kragen geht. Ich war nicht im BDM, ich habe mich gedrückt in allem und bin bis heute froh, dass ich jung ein Kind gekriegt habe, und man mich deswegen nicht heranziehen konnte. Denn wenn man ein Kind hatte, wollte niemand etwas von einem. Das einzige waren immer wieder Verhöre in dem Gebäude in der Ebertstraße. Ich kann Ihnen heute noch sagen, ohne dass ich seitdem das Haus betreten hätte, dass man vier Stufen hochgehen musste, und dann war eine Gittertür, rechts und links waren gleich Zimmer und wenn man dort reingekommen ist, hat man sich im hochgradigen NS-Staat befunden.

Ich habe auch eine Ohrfeige eingesteckt, weil ich nichts ausgesagt habe. An den Kerl, der das gemacht hat, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wie sich der Zufall trifft, habe ich diesen Mann 1953 wiedergesehen. Er lag mit meinem Vater in einem Krankenzimmer. Ich hatte mich nicht geirrt, es war der Mann, der mir damals eine Ohrfeige gegeben hatte. Wie ich dann hörte, haben ihn die Franzosen aber ganz schön 'geklopft', sie haben ihn halb totgeschlagen. Der Mann hat Sch. geheißen und war vor dem Krieg Kriminalbeamter. Er hat noch die Frechheit besessen, sich nach dem Krieg wieder als Kriminalbeamter einsetzen zu lassen. Das ist aber doch rausgekommen, und er wurde aus dem Dienst suspendiert. Ich hatte immer noch einen großen Hass auf den Mann, denn er hatte viel Unheil angestellt.“ (1)

 

(1) Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) (Hg.): Erlebte Geschichte. Frauen berichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Karlsruhe 1983, S. 38 ff.

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