STATION - Gefängnis Riefstahlstraße

Im Gefängnis in der Riefstahlstrasse wurden in der NS-Zeit verschiedene Gegner des Regimes inhaftiert. Die politischen Häftlinge wurden ebenso wie viele jüdische Karlsruher hier festgehalten, bevor sie in Konzentrationslager transportiert wurden.

 
Gefängnis Riefstahlstraße heute

So begann in der Riefstahlstrasse auch die Schaufahrt durch Karlsruhe am 16. Mai 1933 mit einigen verhafteten Sozialdemokraten, unter ihnen Ludwig Marum, Adam Remmele und Sally Grünebaum. Ludwig Marum, ein sozialdemokratischer Karlsruher Rechtsanwalt, der aus einer jüdischen Familie stammte, war von 1928 bis 1933 Mitglied des Deutschen Reichstags. Sally Grünebaum war Chefredakteur der SPD-Zeitung ‚Volksfreund’; wie Marum war er Jude. Adam Remmele war ehemaliger Abgeordneter und Minister.

Die Gefangenen wurden durch die johlende Menschenmenge über das Bezirksamt der Polizei am Marktplatz bis ins Lager Kislau gebracht. Dieser Transport war zuvor durch Flugblätter bekanntgegeben worden. Tausende beteiligten sich und empfingen die Verhafteten bei ihrem Erscheinen gegen 11 Uhr mit Pfiffen und Pfui-Rufen. Sie wurden u.a. durch das Singen von „Das Wandern ist des Müllers Lust“ verhöhnt, das dabei auch von einer Musikkapelle gespielt wurde. Adam Remmele, 1877 als Sohn eines Müllers geboren, war selbst gelernter Müller.

 
Die Gefangenen wurden durch die johlende Menschenmenge über das Bezirksamt der Polizei am Marktplatz bis ins Lager Kislau gebracht.

Im November 1938 wurden die jüdischen Männer, die nach der Pogromnacht verhaftet worden waren, nach vielen Schikanen in das Gefängnis in der Riefstahlstraße gebracht, bevor sie in der Nacht darauf nach Dachau transportiert wurden. So zum Beispiel diejenigen, die im Hotel ‚Nassauer Hof’ in der Kriegsstraße gewohnt hatten, das in dieser Nacht von SA und SS verwüstet worden war.

Auch nach Karlsruhe verschleppte Zwangarbeiter saßen in der Riefstahlstraße ein. Sie waren nicht nur Repressionen bei der Zwangsarbeit und in ihren Unterkünften ausgesetzt. Gegen sie konnten auch Haftstrafen verhängt werden, die sie entweder in den von den Polizeistellen unterhaltenen Arbeitslagern oder im Gefängnis in der Riefstahlstraße zu verbüßen hatten. (1) Weitere Gefangene, die in der Riefstahlstraße einsaßen, waren u.a.:

  • Karl Siebert, der Vater von Hanne Landgraf, ein Freier Turner
  • Eugen Rothweiler, ein Gewerkschafter
  • Josef Eisele, der ehemalige Redakteur des „Volksfreund“, der Zeitung der SPD
  • Der ehemalige Gewerkschaftsführer Gustav Schulenburg.

Ihm war die Flucht zunächst gelungen, jedoch wurde er 1940 in Frankreich verhaftet und ins Gefängnis in der Riefstahlstraße gebracht. Von dort kam er nach zwei Jahren nach Dachau, wo er unter ungeklärten Umständen 70jährig starb. (2)

 

(1) Schuhladen-Krämer, Jürgen: Zwangsarbeit in Karlsruhe 1939-1945. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte. Karlsruhe 1997, S. 70/71.
(2) Bräunche, Ernst Otto; Asche, Susanne: Karlsruhe - die Stadtgeschichte. Karlsruhe 1998, S. 515.

Bildnachweis: Stadt AK 8/Alben 5, 29b Stadt AK 8/Alben 5, 30 Stadt AK 8/PBS oVI 383

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