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STATION - Freie Spiel- und Sportvereinigung, (FSSV) am Adenauerring

An der Stelle der FSSV an der Straße, die heute Adenauerring heißt und die unter den Nazis Horst-Wessel-Ring genannt wurde, befanden sich die Gebäude und Sportanlagen der Freien Turnerschaft. Dieser Arbeitersportverein war damals noch streng von den bürgerlichen Sportvereinen getrennt.

 
Freie Spiel- und Sportvereinigung (FSSV) am Adenauerring

Es war üblich, dass sich jedes Jahr am 1. Mai nach der Maikundgebung der Arbeiterbewegung sämtliche Arbeitervereine, Spielmannszüge und die anderen Beteiligten hier trafen, um den Tag gemeinsam zu verbringen.

Karl Siebert (SPD-Mitglied), der Vater von Hanne Landgraf (1), zog mit seiner Familie in eines der Gebäude ein und bewirtschaftete seit Anfang der 30er Jahre zusammen mit seiner Frau die Kantine. Durch den zusätzlichen Verdienst und die Tatsache, dass sie hier kostenlos wohnen konnten, entspannte sich die finanzielle Situation der achtköpfigen Familie etwas. Immerhin hatte die Miete zuvor in der Südstadt etwa einen Wochenlohn betragen. Am 9. Mai 1933 wurde Herr Siebert, der bei der Bahn beschäftigt war, arbeitslos.

Im Frühjahr 1933 hatte die SA die Sportanlagen und das Vereinsheim besetzt. In zunehmendem Maße kam es zu Schikanen gegen die Bewohnerinnen und Bewohner. Eines Abends hielten sich Mitglieder der SA und der SS auf dem Vereinsgelände auf. Die Stimmung war angespannt. Plötzlich fiel ein Schuss. Angeblich sei aus dem Schlafzimmerfenster der Familie Siebert geschossen worden.

Hanne Landgraf, die Zeugin des Geschehens war, sagte in einem Interview in den 1980er Jahren, sie sei sich sicher, dass es sich um einen von der SA inszenierten Vorfall handelte, sogar die SS sei damals misstrauisch geworden. Es kam daraufhin zu einer Hausdurchsuchung. Karl Siebert wurde mit einigen anwesenden Turnern verhaftet und ins Gefängnis in der Riefstahlstrasse gebracht. Am 1. Juni bekam die Familie die Kündigung mit der Auflage, das Haus bis 6. Juni zu räumen. Es war schwierig, mit sechs Kindern eine Wohnung zu finden, doch mit der Hilfe eines Bekannten der Freien Turner konnte sie bald in die Kaiserstraße 5 umziehen.

 

(1) Hanne Landgraf, SPD-Stadträtin 1953-1968 und Landtagsabgeordnete 1968-1976, gestorben am 19. Januar 2005.

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