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STATION - DWM Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik AG, Lorenzstraße

Über 17.000 Frauen und Männer aus anderen Ländern waren während der Zeit des zweiten Weltkrieges gezwungen, in Karlsruhe zu arbeiten. Sie wurden im Sprachgebrauch der Nazis ‚Fremdarbeiter’ genannt. An diese Menschen erinnern - außer ein paar wenigen Gedenktafeln, wie der am heutigen ZKM-Gebäude - nur noch die durch das Städtische Friedhofs- und Bestattungsamt gepflegten Gräberfelder auf dem Hauptfriedhof und auf einigen Stadtteilfriedhöfen. (1)

 
Gedenktafel am heutigen ZKM

Diese Menschen, die zum Teil von der Straße weg nach Karlsruhe verschleppt worden waren, waren in ca. vierzig Lagern (2) untergebracht, die über die Stadt verteilt lagen. Das größte Barackenlager Karlsruhes lag im Westen der Stadt, „in der Hardeckstraße am Westbahnhof in Grünwinkel, und wurde von der DWM betrieben, die dort im Oktober 1942 1.047 Menschen, ausschließlich Polen und Russen, hielt.“ (3) Durch die unzureichenden hygienischen Bedingungen bei der Unterbringung waren „Fälle von Verlausungen und Verdacht auf Fleckfieber [...] an der Tagesordnung.“ (4)

Bei der DWM, die vor allem Munition herstellte, war während der NS-Zeit der größte Anteil der nach Karlsruhe gebrachten Zwangsarbeitenden eingesetzt, die meisten von ihnen kamen aus der Sowjetunion und aus Polen. Diese Menschen standen in der rassistischen Hierarchie der Nationalsozialisten weit unten. Sie wurden häufig misshandelt und mussten bei der Arbeit und in den Lagern eine erniedrigende Behandlung durch die Polizei und ihre Vorgesetzten ertragen. Doch damit nicht genug: Wer gegen das nationalsozialistische Gesetz ‚zur Reinhaltung des deutschen Blutes’ verstieß, sah sich brutalem Terror ausgesetzt, nicht selten endete dieser mit einer öffentlichen Hinrichtung. Nachweislich fanden besonders in der Zeit zwischen 1941 und 1942 öffentliche Hinrichtungen statt.

 
Heute sind hier das Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM, das Museum für Neue Kunst und die Hochschule für Gestaltung untergebracht.

Die DWM unterhielt auch ein Werk in Grötzingen, auf dessen Gelände am 6. Juni 1944 zwei Exekutionen ausgeführt wurden. Ermordet wurden die beiden Polen Ian Szkarcryk und Edward Jezierski. „Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Weitere Hinrichtungsgründe waren angebliche Plünderung, aber auch sogenannte Sabotage.“ (5)

Neben dem ZKM-Haupteingang wurde am 15. Oktober 1997 eine Gedenktafel angebracht, die an die während des Zweiten Weltkrieges in Karlsruhe eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erinnert. Die Inschrift lautet: „In der ehemaligen Waffen- und Munitionsfabrik auf diesem Gelände und an vielen anderen Stellen in der Stadt waren im Zweiten Weltkrieg mehr als 17.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Ein Drittel waren Frauen. 12.000 stammten aus Osteuropa. Aus ihrer Heimat verschleppt, wurde ihre Arbeitskraft von der Kriegswirtschaft ausgebeutet. Mehr als 600 von ihnen fanden in Karlsruhe den Tod. Den Opfern zum Gedenken. Den Lebenden als Mahnung zur Bewahrung des Friedens, der Menschenwürde und der freien Selbstbestimmung aller Menschen.“

1942 hatte der Fabrik ein eigener alliierter Bombenangriff gegolten. Das Ziel wurde verfehlt und stattdessen nahezu die gesamte Westendstraße, die heute den Namen Reinhold-Frank-Straße trägt, zerstört. Am 4.12.1944 richteten die Bomben einigen Schaden an der DWM an. Wegen ihrer äußerst stabilen Bauweise wurde sie jedoch nicht ganz zerstört. Heute sind in dem Gebäudekomplex das Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM, das Museum für Neue Kunst und die Hochschule für Gestaltung untergebracht.

 

(1) 1 Schuhladen-Krämer, Jürgen: Zwangsarbeit in Karlsruhe 1939-1945. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte. Karlsruhe 1997, S. 1.

(2) Leider fehlen Unterlagen zu vielen Lagern. Auch Bilder gibt es nicht.

(3) Ebd. S. 35.

(4) Ebd.

(5) Ebd. S. 75

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