STATION - Badisches Innenministerium, Schlossplatz 19

Am 9. März 1933 zwang Robert Wagner als Reichskommissar die demokratische badische Regierung zum Rücktritt und ließ etwa dreitausend Mann von SA- und SS-Einheiten vor dem badischen Innenministerium am Karlsruher Schlossplatz aufmarschieren. SA, SS und Polizeiverbände erzwangen die Machtergreifung im Land innerhalb weniger Tage.

Das Badische Innenministerium am Schlossplatz 19 war die maßgebliche Schaltstelle für die Judenverfolgung und auch eine Zentrale der Verfolgung und Vernichtung von kranken, behinderten und als „asozial“ diffamierten Menschen.

 
Badisches Innenministerium am Schlossplatz 19: Maßgebliche Schaltstelle für die Judenverfolgung

Mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 war die rechtliche Grundlage für Zwangssterilisierungen geschaffen worden. Dr. Theodor Pakheiser, der Sonderkommissar für das Gesundheitswesen, sorgte dafür, dass das Gesetz Anwendung fand. Baden übertraf im Jahr 1934 alle anderen Länder mit etwa drei Sterilisationsanträgen auf tausend Einwohner; im Durchschnitt genehmigten die „Erbgesundheitsgerichte“ 94 % der Anträge. (1)

Zwischen 1934 und 1944 wurden in zehn badischen Bezirken mit 1,2 Millionen Einwohnern 11.412 Menschen zwangssterilisiert. Mit dem Begriff „Euthanasie“ wurde die Ermordung von behinderten Menschen bezeichnet.

 
Badisches Innenministerium, Schlossplatz 19

Diese Morde wurden in Baden vom Ministerialrat Dr. Ludwig Sprauer organisiert, dem Leiter der Gesundheitsabteilung im Badischen Innenministerium. Sprauer leitete die „Euthanasie“-Mordaktion in Baden mit einem geheimen Rundschreiben an die Leiter der Heil- und Pflegeanstalten ein. Dem Schreiben vom 29.11.1939 beigelegt waren Meldebögen, die Angaben zur Person, Staatsangehörigkeit, Diagnose, Art der Beschäftigung in der Anstalt und andere, auch rassistische Angaben forderten. Anhand dieser Angaben wurde dann über Leben und Tod entschieden. (2)

Heute befindet sich in dem Gebäudekomplex die Hector School of Engineering and Management der Universität Karlsruhe.

 

(1) Krause-Schmitt, Ursula; Ngo, Marianne; Schlör, Joachim (Hg.): Heimatgeschichtliche Wegweiser zu den Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 5/1: Baden-Württemberg. Frankfurt a.M. 2001, S.48

(2) Ebda.

Bildnachweise: Stadt AK 8/PBS oVI 420, Stadt AK 8/PBS oVI 436

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